Update zu unserer Petition

Petition | Hintergrund

Im Jahre 1997 wurde der grösste Teil der Masoala Halbinsel in Madagaskar zu einem streng geschützten Nationalpark erklärt. Der Masoala Nationalpark hat einen Teil des Landes vereinnahmt, welches einheimische Bauernfamilien für die Nahrungsmittelproduktion bewirtschaften oder welches sie ihren Kindern für deren Lebensunterhalt vererben wollten. Für viele Familien stellt diese Reduktion des bebaubaren Landes ein grosses Problem dar und macht sie noch ärmer, als sie es bereits waren.

Hinzu kommt, dass die Parkverwaltung die de facto Grenze des Parks in den vergangenen Jahren in diversen Gegenden verschoben hat, mit dem Resultat, dass der Park nun noch mehr Land umfasst als zu Beginn. Die Bevölkerung eines Dorfes, wo dies passiert ist – im Widerspruch zu einem schriftlichen Vertrag zwischen der Parkverwaltung und der Dorfgemeinschaft – hat einen Beschwerdebrief geschrieben. Darin fordert sie, dass die vereinbarte Grenze respektiert werde. Dies war vor einem Jahr. Der Brief wurde bis zum heutigen Tag nicht beantwortet, und es hat sich nichts an der Situation geändert.

Wir haben deshalb eine Petition gestartet, mit der wir die betroffene Dorfbevölkerung unterstützen wollen in ihrem Kampf für ihr grundlegendes Recht auf genügend Land für den Anbau von  Nahrungsmitteln.

Lesen Sie den Text der Petition

Lesen Sie hier den Beschwerdebrief

Lesen Sie hier den Vertrag von 2002

Unsere Petition

Unsere online Petition „Respect basic human rights in Masoala, Madagascar“ ist bis dato von 318 Personen in der ganzen Welt unterstützt worden. Nachdem wir 300 Unterschriften hatten, haben wir den Abgeordneten des Distrikts Maroantsetra, die Direktorin des Masoala Nationalparks, und die Direktorin der „Wildlife Conservation Society“ in Madagaskar angeschrieben und sie auf die Petition aufmerksam gemacht. Innert kurzer Zeit erhielten wir ausführliche Antworten per Email von der Parkdirektorin und der Direktorin von WCS Madagaskar.

Wir sind informiert worden, dass dieses Jahr auf nationaler Ebene eine Überprüfung des Landnutzungsplans im Zusammenhang mit Schutzgebieten in Madagaskar stattfindet. Das sind sehr gute Neuigkeiten, denn dies bietet eine seltene Gelegenheit, die Rechte der Menschen, die am Rande oder innerhalb von Schutzgebieten leben, einzufordern.

Wir sind auch informiert worden, dass der Abgeordnete im Nationalparlament für den Distrikt, in welchem das Dorf Marofototra liegt (Distrikt von Maroantsetra) am 26./27. April 2016 ein Treffen mit hochrangigen Regierungsvertretern abgehalten hat, um die Landnutzungsrechte der ansässigen Bevölkerung zu besprechen. Auch dies sind sehr gute Nachrichten!

Wir bleiben dran, unterstützen die Bevölkerung weiterhin, und wir hoffen, dass ihre Bedürfnisse und Rechte nun wirklich ernst genommen werden!

Eva Keller, Präsidentin des Vereins, 06/06/2016

Neues Buch über Naturschutz in Masoala

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Eva Keller, die Gründering des Vereins Human Rights in Masoala, hat über viele Jahre an einem ethnologischen Forschungsprojekt über die Wahrnehmung des Masoala Nationalparks gearbeitet. Das Buch ist nun unter dem Titel BEYOND THE LENS OF CONSERVATION. MALAGASY AND SWISS IMAGINATIONS OF ONE ANOTHER erschienen.

http://www.berghahnbooks.com/title.php?rowtag=KellerBeyond

Worum geht es im Buch?

In der heutigen Zeit wird ja alles kreuz und quer über die Welt gekarrt, verschifft und geflogen. In unseren Supermärkten gibt’s im Dezember Litchis aus Madagaskar, und die Menschen in Madagaskar benutzen leere Nestlé-Kondensmilch-Büchsen, um auf Märkten überall im Land Nahrungsmittel „zu wägen“, d.h. man kauft immer so-und-so-viele Nestlé-Büchsen voll Reis, Linsen, Mais … Jedoch sind nicht nur Dinge quer über die ganze Welt unterwegs, sondern auch Weltanschauungen, Werte und Visionen. Eine der heute wichtigsten globalen Visionen ist der Naturschutz, der zu unzähligen Projekten auf der ganzen Welt führt. Ein solches Projekt ist der Masoala Nationalpark im Nordosten Madagaskars, verwaltet von der madagassischen Behörde (und einer amerikanischen NGO) und tatkräftig unterstützt vom Zürcher Zoo.
Die zentrale Frage, der Eva Keller in ihrem Forschungsbericht nachgeht ist die: Bedeutet die Kooperation zwischen Naturschutzakteuren in der Schweiz und in Madagaskar auch, dass dank dieses Projektes eine Verbindung entstanden ist zwischen den Menschen, die an diesen beiden weit voneinander entfernten Orten leben? Stellt die Vision des Naturschutzes eine Brücke zwischen ihnen dar? Um diese Frage zu beantworten, beleuchtet sie den Masoala Nationalpark aus zweierlei Perspektiven: einerseits aus der Sicht der Besucher/innen der Masoala Halle im Zürcher Zoo (inklusive Schulklassen jeden Alters), und andererseits aus der Sicht der Bauern, die am Rande des Parks in Masoala leben. Was sehen die Menschen in der Schweiz, was sehen die Menschen in Madagaskar, wenn sie auf das Naturschutzprojekt in Masoala blicken? Gibt es eine gemeinsame Sicht? Die Antwort ist leider nein. Denn aus der Sicht derjenigen, die durch die Brille des Naturschutzes von der Schweiz nach Masoala blicken, erscheinen die Menschen dort als unwissend und defizitär. Aus der Sicht derjenigen, die durch die Brille der madagassischen Kultur auf den Park blicken, erscheinen diejenigen, die den Park unterstützen, als ihnen feindlich gesinnt. Eva Keller kommt sogar zum Schluss, dass das Masoala-Naturschutzprojekt die Kluft zwischen den Menschen in der Schweiz und in Madagaskar vergrössert, anstatt sie durch eine geteilte Vision miteinander zu verbinden. Die kaputte Brücke auf der Titelseite symbolisiert dies.

13. März 2015

Vortrag in Zürich, 15. Mai 2013

Vortrag von Eva Keller und Esther Leemann zum Thema:

Green Grabbing in Madagaskar
Die Schattenseiten des Masoala Nationalparks

Wenn einheimischen Bauern in Ländern des Südens Land
weggenommen wird, beispielsweise für den Anbau von
Sojabohnen oder Ölpalmen, entsetzt sich eine breite
Öffentlichkeit. Ähnliche Ungerechtigkeiten im Namen des
Umweltschutzes – sogenanntes Green Grabbing – entzieht
sich fast immer der öffentlichen Aufmerksamkeit. Eva Keller
und Esther Leemann präsentieren den Fall des Masoala
Nationalparks in Madagaskar und zeigen auf, welche Arten
von Entrechtungen der einheimischen Bevölkerung sich
hinter dem “grünen Heiligenschein” verbergen.

Mittwoch, 15.05.2013; 19:30 Uhr
Lebewohlfabrik, Fröhlichstr. 23, 8008 Zürich
Eine Veranstaltung des Ethnologischen Vereins Zürich (EVZ)

www.ethnoloigscher-verein-zuerich.ch

Eintritt für Nichtmitglieder: CHF 14.–

Vortrag in Winterthur

Naturschutz und Brandrodung in Masoala – Fakten und Mythen

Montag, 24. Februar 2014, 20 Uhr 
Nord-Süd-Haus, Steinberggasse 18, 2. Stock, Winterthur

Vortrag von Eva Keller* und Julie Zähringer*

Die Nordostküste Madagaskars beheimatet ausserordentlich artenreiche Regenwälder. Seit der Kolonialzeit wird der einheimischen Bevölkerung zur Last gelegt, diese Wälder durch gedankenlose Brandrodung zu zerstören. Aus diesem Grund wurden grossflächige Schutzgebiete errichtet, darunter der vom Zoo Zürich unterstützte Masoala-Nationalpark. Der Vortrag wirft ein neues Licht auf die Probleme auf der Halbinsel.

Einerseits führt der Park dazu, dass Familien vor Ort ohne Mitspracherecht und ohne jegliche Entschädigung einen Teil ihrer Existenzgrundlage verlieren. Den verschiedenen Naturschutz-organisation ist es bis anhin nicht gelungen, den Bauern machbare Alternativen zur Brandrodung anzubieten.

Andererseits gibt es trotz des grossen internationalen Interesses an dieser Region nur wenige wissenschaftliche Daten darüber, wie die Bauern vor Ort das Land tatsächlich nutzen und warum Brandrodung bis heute für viele die am besten an ihre Lebensbedingungen angepasste Strategie ist, Nahrung zu produzieren.

Um zu verhindern, dass die einheimischen Bauern weiter verarmen und um Biodiversität nachhaltig zu schützen, braucht es eine intensive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Wissenschaften sowie zwischen Wissenschaft und Naturschutzakteuren, und ganz besonders den Einbezug der Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort.

Julie Zähringer ist Umweltnaturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Ökosystemmanagement in Entwicklungsländern. Zurzeit doktoriert sie am Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern zu regionaler Landschaftsveränderung und Ökosystemleistungen im Nordosten Madagaskars.

Eva Keller ist Ethnologin und forscht seit 15 Jahren im Nordosten von Madagaskar. Sie hat 2002 an der LSE in London doktoriert. In ihrem aktuellen Projekt geht es um die Frage, wie die Bauern vor Ort den Masoala Nationalpark wahrnehmen. 2010 gründete sie den Verein «Human Rights in Masoala».

Leserbrief an die NZZ

Als Antwort auf einen Artikel in der NZZ vom 9. Dez. 2013 über den Masoala Nationalpark und die Beteiligung des Zürcher Zoos schrieb der langjährige Madagaskarkenner Dr. Heinz RUDOLF VON ROHR den folgenden Leserbrief an die NZZ. Die NZZ veröffentlichte am 14. Dez. 2013 eine gekürzte Version.

Die begehrten Edelhölzer von „Masoala be“

(NZZ vom 9. Dezember 2013)

Es ist unbestritten: Die Masoala-Halle im Zoo Zürich ist eine ausgezeichnete Leistung und trägt zu einem besseren Verständnis des Regenwaldes bei. Leider trifft dies für den Masoala-Nationalpark in Madagaskar nicht in gleichem Ausmass zu. Der Schutz der Edelhölzer wie zum Beispiel Rosenholz, wird nicht respektiert. Die Standpauke des Ministerpräsidenten wegen dem Raubbau ist heuchlerisch, denn es sind vor allem Regierungsmitglieder, die mit dem illegalen Holzhandel mit den Chinesen tüchtig in ihre eigene Tasche wirtschaften. Aber auch bei der Ausweitung der Nationalparkgrenzen kommt es immer wieder zu Spannungen mit der ansässigen Bevölkerung. Langjährige wissenschaftliche Beobachtungen von Ethnologen zeigen die vielfältigen Ursachen für die Streitigkeiten zwischen der Parkbehörde und den Einheimischen auf, leider ohne die notwendige Beachtung bei den Behörden und ihren Beratern. Mit dem ‚Systhème de Risiculture Intensive’ lassen sich die Probleme rund um die Brandrodung nicht aus der Welt schaffen.

Nach Informationen aus verschiedenen Quellen hat der Zoo Zürich ein weiteres Projekt in Angriff genommen, nämlich den Kakaoanbau in der Region von Maroantsetra. Damit schlüpft er Schritt für Schritt in die Rolle einer Entwicklungsorganisation, ohne dass die Verantwortlichen über die dafür notwendigen Kernkompetenzen verfügen. Im Wissen um diesen Mangel hat der Kurator der Masoala-Halle zusammen mit Helvetas vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie durchführen lassen. In ihrem Bericht haben die Experten auf erhebliche Risiken für den Kakaoanbau hingewiesen. Darauf verzichtete Helvetas auf ein weiteres Engagement in diesem Projekt, der Zoo dagegen hielt trotzdem an seinem Vorhaben fest.

Die grösste Gefahr für eine Kakaoplantage bilden die regelmässig auftretenden Zyklonen an der Ostküste Madagaskars. Da der Kakaobaum eine Schattenpflanze ist(ca. 10 bis15 Meter hoch, meistens auf 4 bis 6 Meter zurückgeschnitten) und deshalb im Schutz von grösseren Tropenbäumen wächst, sind Plantagen sehr anfällig auf heftige Winde, wie sie in Zyklonen meistens auftreten.

Diesem Umstand haben die Franzosen Rechnung getragen, als sie während der Kolonialzeit auf Madagaskar Kakao- und Kaffeeplantagen angelegt haben. Sie wählten dafür die Waldgebiete an der Nordwestküste, hauptsächlich in der Region von Ambanja und im Tal des Sambirano. Unter dem schützenden Laubdach und der dabei herrschenden Luft- und Bodenfeuchtigkeit gedeihen die Kakao- und Kaffeebäume bestens.

Die Plantagen in diesen Gebieten liefern auch heute noch gute Erträge von jährlich 5’000 Tonnen Kakao bester Qualität (Criollo). Ein Teil dieses Kakaos wird in der Schokoladefabrik Robert in der Hauptstadt Antananarivo verarbeitet, der Rest, ca. 4’000 Tonnen, wird exportiert. Dank der Produktion von Tafelschokolade und Confiserie finden zudem zahlreiche Menschen Arbeit und die Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt bleibt vollständig im Lande selbst.

Da stellt sich doch die Frage, warum der Zoo Zürich mit seinem Projekt eine Konkurrenz zu einem funktionierenden Produktionssystem aufbaut, ohne vorher mit den Verantwortlichen der Firma das Gespräch gesucht zu haben. Wenn es den Verantwortlichen des Zoos wirklich um eine soziökonomische und nachhaltige Hilfe ginge, dann wäre er besser beraten, Schokolade aus Madagaskar für seine Verkaufszwecke zu beziehen, als wertvolles Ackerland in der Region von Maroantsetra dem Reisanbau zu entziehen. Vergessen wir nicht: Der Reis ist das Grundnahrungsmittel für die Madegassen.

Der Prozess der Verarbeitung der Kakaofrüchte ist zudem anspruchsvoll und verlangt eine spezifische Ausbildung und langjährige Erfahrung. Diese Voraussetzungen sind im traditionellen Anbaugebiet für Kakao in der Region von Ambanja erfüllt und bilden die Grundlage für eine nachhaltige Nutzung des Bodens. Sie anderswo aufzubauen und zu entwickeln verlangt entsprechende finanzielle Mittel und viel Zeit.

Das Kakaoprojekt entspricht wohl eher dem Prestige und der Werbung für den Zoo Zürich und weniger der Sorge für die Bedürfnisse und die Kenntnissen der Bevölkerung rund um die Bucht von Antongil.  Deshalb müsste der Spruch „Schuster bleib bei deinen Leisten“ auch für die Verantwortlichen des Zoos Zürich gelten.

Dr. Heinz Rudolf von Rohr, Solothurn

Wenn Naturschutz zum Risiko wird

Im Rahmen der Wissenschaftsmesse SCIENTIFICA 2013 stellte das Ethnologische Institut unter dem Titel „Wenn Naturschutz zum Risiko wird“ der Öffentlichkeit die Forschung von Eva Keller in Masoala vor. In diesem Zusammenhang entstand auch ein 15-minütiges Interview, das aufgezeichnet wurde, und ein Zeitungsartikel (der in mehreren Tages-Zeitungen erschien) zur Situation in Masoala. Lesen Sie den Zeitungsartikel und sehen Sie das Interview hier.

SCIENTIFICA (September 2013)

Im Rahmen der diesjährigen Wissenschaftsmesse SCIENTIFICA stellte das Ethnologische Institut unter dem Titel „Wenn Naturschutz zum Risiko wird“ der Öffentlichkeit die Forschung von Eva Keller in Masoala vor (http://www.scientifica.ch/ausstellung/gesellschaft-und-technologie/wenn-naturschutz-zum-risiko-wird/). In diesem Zusammenhang entstand auch ein 15-minütiges Interview und ein Zeitungsartikel (der in mehreren Tamedia-Zeitungen erschien) zur Situation in Masoala.

Sehen Sie das Interview hier.

Lesen Sie den Zeitungsartikel hier.