Vortrag in Winterthur

Naturschutz und Brandrodung in Masoala – Fakten und Mythen

Montag, 24. Februar 2014, 20 Uhr
Nord-Süd-Haus, Steinberggasse 18, 2. Stock, Winterthur

Vortrag von Eva Keller* und Julie Zähringer*

Die Nordostküste Madagaskars beheimatet ausserordentlich artenreiche Regenwälder. Seit der Kolonialzeit wird der einheimischen Bevölkerung zur Last gelegt, diese Wälder durch gedankenlose Brandrodung zu zerstören. Aus diesem Grund wurden grossflächige Schutzgebiete errichtet, darunter der vom Zoo Zürich unterstützte Masoala-Nationalpark. Der Vortrag wirft ein neues Licht auf die Probleme auf der Halbinsel. 

Einerseits führt der Park dazu, dass Familien vor Ort ohne Mitspracherecht und ohne jegliche Entschädigung einen Teil ihrer Existenzgrundlage verlieren. Den verschiedenen Naturschutz-organisation ist es bis anhin nicht gelungen, den Bauern machbare Alternativen zur Brandrodung anzubieten.

Andererseits gibt es trotz des grossen internationalen Interesses an dieser Region nur wenige wissenschaftliche Daten darüber, wie die Bauern vor Ort das Land tatsächlich nutzen und warum Brandrodung bis heute für viele die am besten an ihre Lebensbedingungen angepasste Strategie ist, Nahrung zu produzieren.   

Um zu verhindern, dass die einheimischen Bauern weiter verarmen und um Biodiversität nachhaltig zu schützen, braucht es eine intensive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Wissenschaften sowie zwischen Wissenschaft und Naturschutzakteuren, und ganz besonders den Einbezug der Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort. 

* Julie Zähringer ist Umweltnaturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Ökosystemmanagement in Entwicklungsländern. Zurzeit doktoriert sie am Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern zu regionaler Landschaftsveränderung und Ökosystemleistungen im Nordosten Madagaskars. 

* Eva Keller ist Ethnologin und forscht seit 15 Jahren im Nordosten von Madagaskar. Sie hat 2002 an der LSE in London doktoriert. In ihrem aktuellen Projekt geht es um die Frage, wie die Bauern vor Ort den Masoala Nationalpark wahrnehmen. 2010 gründete sie den Verein «Human Rights in Masoala».