Neues Buch über Naturschutz in Masoala

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Eva Keller, die Gründering des Vereins Human Rights in Masoala, hat über viele Jahre an einem ethnologischen Forschungsprojekt über die Wahrnehmung des Masoala Nationalparks gearbeitet. Das Buch ist nun unter dem Titel BEYOND THE LENS OF CONSERVATION. MALAGASY AND SWISS IMAGINATIONS OF ONE ANOTHER erschienen.

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Worum geht es im Buch?

In der heutigen Zeit wird ja alles kreuz und quer über die Welt gekarrt, verschifft und geflogen. In unseren Supermärkten gibt's im Dezember Litchis aus Madagaskar, und die Menschen in Madagaskar benutzen leere Nestlé-Kondensmilch-Büchsen, um auf Märkten überall im Land Nahrungsmittel "zu wägen", d.h. man kauft immer so-und-so-viele Nestlé-Büchsen voll Reis, Linsen, Mais ... Jedoch sind nicht nur Dinge quer über die ganze Welt unterwegs, sondern auch Weltanschauungen, Werte und Visionen. Eine der heute wichtigsten globalen Visionen ist der Naturschutz, der zu unzähligen Projekten auf der ganzen Welt führt. Ein solches Projekt ist der Masoala Nationalpark im Nordosten Madagaskars, verwaltet von der madagassischen Behörde (und einer amerikanischen NGO) und tatkräftig unterstützt vom Zürcher Zoo.
Die zentrale Frage, der Eva Keller in ihrem Forschungsbericht nachgeht ist die: Bedeutet die Kooperation zwischen Naturschutzakteuren in der Schweiz und in Madagaskar auch, dass dank dieses Projektes eine Verbindung entstanden ist zwischen den Menschen, die an diesen beiden weit voneinander entfernten Orten leben? Stellt die Vision des Naturschutzes eine Brücke zwischen ihnen dar? Um diese Frage zu beantworten, beleuchtet sie den Masoala Nationalpark aus zweierlei Perspektiven: einerseits aus der Sicht der Besucher/innen der Masoala Halle im Zürcher Zoo (inklusive Schulklassen jeden Alters), und andererseits aus der Sicht der Bauern, die am Rande des Parks in Masoala leben. Was sehen die Menschen in der Schweiz, was sehen die Menschen in Madagaskar, wenn sie auf das Naturschutzprojekt in Masoala blicken? Gibt es eine gemeinsame Sicht? Die Antwort ist leider nein. Denn aus der Sicht derjenigen, die durch die Brille des Naturschutzes von der Schweiz nach Masoala blicken, erscheinen die Menschen dort als unwissend und defizitär. Aus der Sicht derjenigen, die durch die Brille der madagassischen Kultur auf den Park blicken, erscheinen diejenigen, die den Park unterstützen, als ihnen feindlich gesinnt. Eva Keller kommt sogar zum Schluss, dass das Masoala-Naturschutzprojekt die Kluft zwischen den Menschen in der Schweiz und in Madagaskar vergrössert, anstatt sie durch eine geteilte Vision miteinander zu verbinden. Die kaputte Brücke auf der Titelseite symbolisiert dies.

13. März 2015